Das walisische Vale of Glamorgan ist eine Art Landkreis westlich von Cardiff und hat die Partnerschaft mit Rheinfelden (Baden) von seinem Verwaltungssitz Barry übernommen.
Barry liegt direkt am Bristol Channel und ist die südlichste Stadt von Wales. Außer Barry liegen als größere Städtchen Cowbridge, Penarth und Llantwit Major im Distrikt Vale of Glamorgan. Ansonsten ist dieser von zahlreichen kleinen Dörfern, ländlichen Gemeinden und Küstenorten geprägt.
Im Zuge der normannischen Eroberung von Wales gelang es den Normannen, gegen Ende des 11. Jahrhunderts das Vale of Glamorgan zu erobern. Der bedeutendste ihrer Herrschaftsbezirke in den südlichen Welsh Marches war die sogenannte Lordship of Glamorgan. Mit den Gesetzen zur Eingliederung von Wales wurde das Gebiet – von seinen Bewohnern schlicht „The Vale“ („das Tal“) genannt – im Jahr 1535 der Grafschaft Glamorganshire zugeschlagen.
Im Zuge der Verwaltungsreform von 1974 entstand in der neu geschaffenen Verwaltungsgrafschaft South Glamorgan der District Vale of Glamorgan, womit der Name der historischen Landschaft auf die neue Verwaltungseinheit übertragen wurde. Mit der Auflösung von South Glamorgan am 1. April 1996 erhielt Vale of Glamorgan den Status einer Principal Area. Hauptort und Verwaltungszentrum ist die Stadt Barry.
Barry war lange ein kleines Fischerdorf. Mit dem Bau eines Kohlehafens in den 1880er Jahren entwickelte sich die Stadt jedoch rasant: Um 1900 war Barry bereits der zweitgrößte Kohleausfuhrhafen der Welt und 1913 sogar der größte. Gleichzeitig wuchs die Stadt, indem unter anderem Cadoxton und Barry Island eingemeindet wurden.
Barry ist bis heute vom Hafen geprägt, hat sich aber zusätzlich zu einem beliebten Seebad mit Strand und Freizeitpark entwickelt. Zudem ist die Stadt ein wichtiger Produktions- und Dienstleistungsstandort innerhalb des Distrikts Vale of Glamorgan.
In den vergangenen Jahren haben sich die Rahmenbedingungen und Aktivitäten der Städtepartnerschaft verändert. Der Freundeskreis Vale of Glamorgan setzt sich mit viel Engagement dafür ein, die freundschaftlichen Verbindungen lebendig zu halten und immer wieder mit neuem Leben zu füllen.
In einer eindrucksvollen Feierstunde unterzeichneten am 12. Mai 1968 die Bürgermeister der Städte Barry, Fécamp und Rheinfelden (Baden) in der Memorial Hall von Barry die Verschwisterungsurkunden sowie den Freundschaftsvertrag der Ringpartnerschaft zwischen den drei Städten.
Als die Stadt Rheinfelden (Baden) 1963 eine Städteverschwisterung mit der französischen Stadt Fécamp
einging, bestand bereits eine Partnerschaft zwischen Fécamp und Barry. Anlässlich dieser Verschwisterungsfeier trafen der deutsche und der britische Bürgermeister zum ersten Mal zusammen.
Auf Grundlage eines Gemeinderatsbeschlusses vom 10. Oktober 1963 wurde seither der Kontakt mit der walisischen Stadt gepflegt - unter anderem mit einem Sportlertreffen der drei Städte Fécamp,
Barry und Rheinfelden (Baden) in Fécamp über die Osterfeiertage 1967 oder einem Besuch des Barry
Male Voice Choirs Ende September 1967 bei den Vereinigten Männerchöre der Stadt Rheinfelden (Baden). Zu dem gemeinsamen Konzert hatte Bürgermeister Herbert King auch eine Abordnung der Stadtverwaltung von Barry zu einem offiziellen Besuch eingeladen.
Auf dem herzlichen Empfang und den gewonnenen Eindrücken aufbauend, schlug Bürgermeister Ewart Morgan mit Blick auf die bestehenden Verschwisterungen beider Städte mit Fécamp kurz nach der Rückkehr des Barry Male Voice Choirs dem Gemeinderat von Barry eine Städtepartnerschaft mit Rheinfelden (Baden) vor.
Mittels Telegramm teilte Bürgermeister Morgan am 2. Januar 1968 mit, dass der Gemeinderat von Barry
einstimmig beschlossen hatte, Rheinfelden (Baden) die Partnerschaft anzubieten. Dieser Vorschlag kam zwar nicht unerwartet, doch überraschend schnell.
Ebenso spontan bekundeten die Rheinfelder Gemeinderäte einstimmig die Bereitschaft, mit den Freunden
in Barry eine Partnerschaft einzugehen. In den Genuss der britisch-deutschen Partnerschaft sollten dabei in erster Linie die Jugendlichen beider Städte kommen.
Im Auftrag des Gemeinderats reiste Bürgermeister Herbert King in Begleitung der Stadträte Dr. Joachim
Rasch und Werner Nuß über das Wochenende vom 10. bis 13. Mai 1968 nach Barry, um die Partnerschaft
zu besiegeln.
1974 wurde Barry durch die Regional- und Gemeindereform in Großbritannien Verwaltungssitz der neuen Großgemeinde Vale of Glamorgan, deren Rat umgehend beschloss, die Städtepartnerschaften mit Fécamp und Rheinfelden (Baden) zu übernehmen und fortzusetzen. Um neue Freundschafts- und Verschwisterungsverträge abzuschließen, lud Dr. Richard Pranzo die Delegationen aus Baden und Wales nach Fécamp, der geographischen Mitte der drei Partnerstädte, ein.
Am 14. März 1976 unterzeichneten Oberbürgermeister Herbert King, Bürgermeister Darwin Hinds sowie
Bürgermeister Dr. Richard Pranzo im Ehrensaal des Rathauses von Fécamp den neuen Verschwisterungsvertrag. Hinds, der Bürgermeister der neuen Großgemeinde Vale of Glamorgan, betonte dabei: „Ziel dieser Verbindung sei Freundschaft, Freundschaft, Freundschaft.“
Historische Aufnahme: Unterzeichung der Verschwisterungsurkunde in Barry 1968 durch (von links) Stadtrat Dr. Joachim Rasch, die Bürgermeister Herbert King und Ewart Morgan, Stadtdirektor J. Clements Colley und Bürgermeister Dr. Richard Pranzo.