Fécamp | Frankreich

Die französische Stadt Fécamp liegt direkt am Ärmelkanal in der Normandie. Bekannt war sie lange Zeit als bedeutender Fischereihafen. Heute setzt Fécamp verstärkt auf Tourismus. Doch beim jährlichen Fest des Meeres lebt die maritime Tradition eindrucksvoll weiter.

Besonders beeindruckend sind die Steilklippen der Alabasterküste, die seit jeher Kunstschaffende inspirieren. Auch die Geschichte ist spürbar: Der Name Fécamp geht auf das altnordische „Fiskhavn“ (Fischhafen) zurück, ein Hinweis auf die Besiedlung durch Skandinavier vor über tausend Jahren.

Die Geschichte von Fécamp reicht bis in die 660er Jahre nach Christus zurück: Waningus, Berater von König Chlothar III., gründete hier ein Frauenkloster und ließ dieses sowie eine Kirche dort errichten, wo der Legende nach das Meer einen Feigenbaumstamm anspülte, der wieder Wurzeln schlug. Dabei soll in einer Ritze des Baums ein Gefäß mit einigen Blutstropfen Jesu Christi gefunden worden sein. Durch wiederholte Überfälle dänischer Wikinger endete das klösterliche Leben zwischen 842 und 876.

Die Neugründung erfolgte um 990 durch die Normannen. Unterstützt von den Herzögen Richards I. und II. wurde Fécamp bald geistiges Zentrum der Normandie und Grablege der Herrscher. Nach der Schlacht bei Hastings erhielt die Abtei Besitz in England. Durch den starken Pilgerandrang galt Fécamp als „Jerusalem der Normandie“. 1326 wurde der spätere Papst Clemens VI. Abt.

1963 fand man den Schatz von Fécamp mit 8.584 Münzen, darunter Stücke aus Bourges. Im Zweiten Weltkrieg diente der Hafen den Briten zur Evakuierung und wurde von den Deutschen beschossen.

Bis heute ergeben sich bedeutende Einnahmequellen aus den Aktivitäten des Hafens. Er umfasst fünf Hafenbecken und neun Kais mit einer Länge von 80 bis 300 Metern. Die Einfahrt erfolgt über einen 220 Meter langen und 70 Meter breiten Hafenkanal. Der Hafen untergliedert sich in einen Handelshafen, einen Fischereihafen und den Yachthafen "Port de plaisance de Fécamp".

Für Bürgerinnen und Bürger aus Rheinfelden (Baden) stellt Fécamp jedes Jahr eine kostenlose Ferienwohnung für ein- bis zweiwöchige Aufenthalte zur Verfügung. Darüber hinaus organisiert der Freundeskreis Fécamp zahlreiche Begegnungen und Aktivitäten. 

  • Staat: Frankreich
  • Region: Normandie
  • Einwohnerzahl: ca. 21.000
  • Sprache: Französisch
  • Bürgermeister: David Roussel seit dem 11. Juli 2022
  • Partnerstadt seit: 1963

Im Juni 1962 traf aus der Normandie ein Brief, adressiert an Bürgermeister Herbert King, im Rathaus in Rheinfelden (Baden) ein. Der Absender: Maurice Sadorge, Bürgermeister (le Maire) von Fécamp. Im Auftrag des Stadtrates von Fécamp bot er in diesem Brief der Rheinfelder Stadtverwaltung eine Städtepartnerschaft an.

Vorgeschichte

Dem Angebot vorausgegangen war die Bewerbung beider Städte beim Rat der Gemeinden Europas. Dieser förderte seit seiner Gründung im Jahr 1950 Städte- und Gemeindeverschwisterungen als Grundlage für das gegenseitige Verstehen der Völker mit dem Ziel, auf dem europäischen Kontinent den „ewige Frieden“ zu sichern und den Hass und das Leid, die zwei schreckliche Weltkriege über die Menschen des 20. Jahrhunderts brachten, endgültig zu überwinden.

Herbert King und die Rheinfelder Gemeinderäte begrüßten die Möglichkeit einer Verschwisterung mit Fécamp, insbesondere den Austausch der deutschen und französischen Jugendlichen.

Gegenseitige Besuche

Anfang September stattete Maurice Sadorge mit seiner Familie Rheinfelden (Baden) einen Privatbesuch ab. Er traf sich zwanglos mit Bürgermeister Herbert King, um mit ihm die Möglichkeit der Verschwisterung zu prüfen. Sadorge gefiel Rheinfelden (Baden) gut, beide Stadtoberhäupter waren sich sympathisch und man einigte sich schnell, dass es nicht nur bei einem Schüleraustausch bleiben sollte, sondern weitere folgen sollten. Ebenso sollten gegenseitige Besuche der Vereine sowie kulturelle und sportliche Begegnungen die Verbundenheit der beiden Städte festigen.

Nach seiner Rückkehr bedankte sich Sadorge herzlich für die Gastfreundschaft und lud Bürgermeister King zu einem Gegenbesuch anlässlich des Festes „Pardon des Terrneuvas“, das im Februar in Fécamp gefeiert wurde, ein.

Zurück in Rheinfelden berichtete Bürgermeister Herbert King im Gemeinderat von seiner Reise und betonte die herzliche Aufnahme in der normannischen Küstenstadt. Ebenso wie Maurice Sadorge war er überzeugt von „den glücklichen Folgen der Verschwisterung der beiden Städte".

Zweitägiges Verschwisterungsfest

Die Verschwisterung der beiden Städte wurde in Rheinfelden (Baden) am 25. und 26. Mai 1963 gefeiert. Als gemeinsames Motto der Verschwisterungsfeiern wählte man das Goethezitat „Vernunft fängt wieder an zu sprechen, und Hoffnung wieder an zu blühn“ («La raison peut à nouveau parler et l’espérance recommence à fleurir»).

Am Samstag, dem 25. Mai, fand am Morgen der offizielle Empfang der französischen Gäste durch die Stadt in der Aula des Progymnasiums (heute Gertrud-Luckner-Realschule) statt. Danach waren alle zu einer Stadtrundfahrt eingeladen, bevor es zum Festessen in das Belegschaftshaus der Dynamit Nobel AG ging.

Um 16 Uhr fand in der Turnhalle der Goetheschule die offizielle Verschwisterungsfeier statt. Der Höhepunkt war der Austausch der Verschwisterungsurkunden, musikalisch umrahmt vom Orchesterverein und den vereinigten Männerchören. Am Abend war die ganze Bevölkerung zum Feiern auf die Richterwiese eingeladen. Im Festzelt gestalteten der Fanfarenzug, die vereinigten Männerchöre, die Stadtmusikkappellen von Fécamp und von Rheinfelden (Baden), eine Trachtengruppe aus Fécamp, die Damenriege des Turnvereins 1898 Rheinfelden und schließlich eine Tanzkapelle den Abend.

Mit einem Festgottesdienst gingen am Sonntag, 26. Mai, die Feierlichkeiten weiter. Anschließend ging man gemeinsam zur Totenehrung auf den Hauptfriedhof, wo Bürgermeister Sadorge einen Kranz niederlegte. Erneut wirkten die beiden Stadtkapellen mit. Nach einem Platzkonzert auf dem Kirchplatz begann im Jahnstadion um 15 Uhr ein Freundschaftsspiel. Die Rheinfelder Stadtmannschaften, bestehend aus Spielern des 1. FC und des VFR, trat gegen die Union Sportive aus Fécamp an. Im Anschluss fand ein Konzert im Festzelt statt und schließlich wurde bis 1 Uhr nachts getanzt.

Feierlichkeiten in Fécamp

Anschließend bereiteten sich die Rheinfelder auf den Gegenbesuch in Fécamp, vom 27. bis 30. September 1963, vor. Zwischen 200 und 300 Rheinfelder gehörten zur offiziellen Delegation: Mitglieder der Stadtmusik, des 1. Fußballclubs und des Vereins für Rasenspiele sowie die Bürger, die bei der Verschwisterungsfeier in Rheinfelden Privatunterkünfte für die französischen Gäste zu Verfügung gestellt hatten. Der Gemeinderat entschied sich, die Hin- und Rückfahrt mit einem Sonderzug zu bewältigen.

Als dieser im festlich geschmückten Bahnhof in Fécamp einfuhr, läuteten zehn Minuten lang die Glocken. Nach herzlicher Begrüßung durch Maire Sadorge wurden die Rheinfelder von ihren Gastfamilien in Empfang genommen. Bürgermeister King ließ es sich nicht nehmen, noch am gleichen Abend ein prachtvolles Blumengebinde am Kriegerehrenmal auf dem Marktplatz niederzulegen.

Am Samstag, dem 28. September, wurde die Rheinfelder Delegation offiziell im Rathaus empfangen. Im Anschluss daran weihte Bürgermeister King die „Rheinfelder Straße“ in einem Neubaugebiet von Fécamp ein. Nach einem Apéro wurde das Mittagessen im Casino eingenommen. Am Nachmittag erkundete man mit Omnibussen die Gegend. Gegen Abend luden die Lyre Maritime Fécamp und die Stadtmusik Rheinfelden (Baden) zu einem Gemeinschaftskonzert auf dem Marktplatz ein. Als besondere Überraschung für die deutschen Gäste spielte die Lyre Maritime zum ersten Mal das von Guy Paquinet komponierte Stück „An Rheinfelden“. Mit einem Ball im Casino und im Hotel „Post“ ging der Tag zu Ende.

Mit einem Festgottesdienst am Morgen des 29. Septembers wurden die Feierlichkeiten fortgesetzt. In einem Festzug ging es danach zur Kranzniederlegung am Kriegerehrenmal und danach zu einem Cocktail in eine ehemalige Benediktinerabtei, der Bénédictine. Am Nachmittag trugen die Rheinfelder Stadtmannschaft und der 1. USF ein Freundschaftsspiel im Stadion „René Gayant“ aus. Und ab 22 Uhr trafen sich alle wieder im Hafen Bérigny zum Nachtfest mit anschließendem Feuerwerk.

"Union der Herzen"

Als zum ersten Jahrestag der Verschwisterung ein Glückwunschtelegramm vom Präsidenten des Verschwisterungsausschusses eintraf, antwortete Bürgermeister King in seinem Dankschreiben:

„Die Verschwisterung zwischen Rheinfelden und Fécamp hatte keinerlei parteipolitisches Ziel, sondern sollte und soll in erster Linie die Bevölkerung unserer beiden Städte ansprechen (...). Das vereinte Europa, die europäische Union kann aber nicht allein von offizieller Seite her geschaffen und erhalten werden, sondern nur eine Union der Herzen wird dieses Gebilde stark und widerstandsfähig machen für die Zukunft. Und diese Union der Herzen entsteht nicht durch amtliche Erklärungen, sondern vor allem durch den persönlichen Kontakt von Mensch zu Mensch".

Historische Aufnahme: Unterzeichnung des Vertrags von Bürgermeister Maurice Sadorge und Bürgermeister Herbert King vor einem Banner mit einem Goethezitat.
© Stadtarchiv Rheinfelden (Baden)

Historische Aufnahme: Unterzeichnung des Verschwisterungsvertrags durch Bürgermeister Maurice Sadorge (Mitte) und Bürgermeister Herbert King (rechts) im Mai 1963 vor einem Vorhang mit dem Goethe-Zitat "Vernunft fängt wieder an zu sprechen, und Hoffnung wieder an zu blühn". 

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