Neumarkt / Egna | Italien

Die Marktgemeinde Neumarkt / Egna liegt im Herzen Südtirols, direkt an der deutsch-italienischen Sprachgrenze. Das mittelalterliche Dorf blickt auf eine bewegte Geschichte zurück und gilt bis heute als wirtschaftliches und kulturelles Zentrum des Südtiroler Unterlandes.

Neumarkt liegt im Etschtal und wird landschaftlich vom Madruttberg und der Königswiese im Naturpark Trudner Horn geprägt. Die Nähe zum Kalterer See und zum Naturpark machen den Ort zudem zu einem beliebten Ziel für Wanderer und Urlauber.

Gegründet wurde Neumarkt im Jahr 1189 von Bischof Konrad von Trient als burgum novum Egne. Seine Lage an den Handelsstraßen zwischen Nord und Süd sowie an der Etsch machte den Ort früh zu einem wichtigen Handelsplatz.

Nach einer Zerstörung des ursprünglichen Ortes durch Hochwasser im 13. Jahrhundert wurde der Ort als „Neuer Markt“ wiederaufgebaut. 1309 verlieh Herzog Otto von Kärnten-Tirol dem Ort Privilegien, die bestimmten, dass alle Güter, die auf Wagen oder Schiffen nach Neumarkt kamen, hier niedergelegt und durch Bewohner von Neumarkt nach einer festgesetzten Reihenfolge weiterbefördert werden mussten. Hoch über dem Ortskern thront die Ruine der Burg Kaldiff, die im 12. Jahrhundert errichtet wurde.

Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs gehörte Neumarkt zur Grafschaft Tirol und damit zu Österreich-Ungarn. Mit dem Vertrag von Saint-Germain wurde Neumarkt 1920 zusammen mit dem Großteil Tirols südlich des Alpenhauptkamms italienisch. Als 1927 auf diesen ehemals österreichischen Gebieten die beiden Provinzen Bozen und Trient entstanden, wurde Neumarkt der mehrheitlich italienischsprachigen Provinz Trient zugeschlagen. Erst 1948 wurde Neumarkt in die Provinz Bozen / Südtirol eingegliedert.

Die Gemeinde gilt auch heute noch als wirtschaftlicher Knotenpunkt und kulturelles Zentrum des Südtiroler Unterlandes. 

Der Freundeskreis Neumarkt organisiert zahlreiche Begegnungen und Austauschmöglichkeiten. Ein besonderer Höhepunkt sind die Begegnungen zwischen Jugendlichen und Seniorinnen und Senioren sowie der gegenseitige Besuch des Laubenfests und des Trottoirfests.

  • Staat: Italien
  • Region: Südtirol
  • Einwohnerzahl: circa 5.000
  • Sprachen: Deutsch, Italienisch
  • Bürgermeisterin: Karin Jost seit September 2020
  • Partnerstadt seit: 1968

Im November 1966 schrieb Anton Pernter aus Neumarkt in Südtirol an seinen Rheinfelder Amtskollegen Herbert King einen Brief, indem er dem Wunsch Ausdruck verlieh, eine Partnerschaft zwischen den beiden Gemeinden einzugehen. Der Rheinfelder Gemeinderat stimmte in seiner Sitzung am 24. November 1966 „in Verbundenheit mit der Bevölkerung von Südtirol“ diesem Vorschlag zu.

Geplanter Besuch

Daraufhin beschlossen die Neumarkter Gemeinderäte im Juli 1967 nach Rheinfelden (Baden) zu fahren, um die neue Partnerstadt besser kennenzulernen. Der geplante Besuch sollte zu einem Grundstein der gegenseitigen Partnerschaft werden. Allerdings kam es dann anders als erwartet: Bürgermeister Anton Pernter sagte den Besuch der Neumarkter via Telegramm Ende Juni ab. Hintergrund dieser Entscheidung waren Streitigkeiten im Gemeinderat von Neumarkt: Die deutschsprachige Gruppe und die italienischsprachige Gruppe konnten sich nicht 
einigen, wer außer den Räten selbst, zusätzlich noch als Mitglied der offiziellen Delegation mit nach Rheinfelden (Baden) fahren sollte. Um eine weitere Verschärfung der ohnedies angespannten nationalen Gegensätze zu vermeiden, entschloss man sich daher, die Reise komplett abzusagen.

Gegenbesuch vertagt

Da ein offizieller Besuch einer Neumarkter Delegation in Rheinfelden (Baden) unmöglich geworden war, entschloss sich Anton Pernter zusammen mit den deutschsprachigen Ratsmitgliedern zu einem privaten Besuch vom 25. bis 27. August 1967. Nach einem herzlichen Empfang erkundeten die Neumarkter Gäste, geführt von Bürgermeister Herbert King, die Stadt und ihre Umgebung. Dabei bestätigte Bürgermeister Herbert King den Gästen: "Wir möchten Ihnen eine dauerhafte Freundschaft anbieten."

Nach der Rückreise der Südtiroler kam es erneut zu erheblichen Auseinandersetzungen zwischen den deutsch- und italienisch sprechenden Räten in Neumarkt. Der Gemeinderat von Rheinfelden (Baden) sah deshalb vorerst von einem geplanten Gegenbesuch im November 1967 ab.

Neuer Anlauf nach Neuwahlen

Als das Ratsgremium in Neumarkt nach Neuwahlen wieder beschlussfähig war, entschlossen sich die Rheinfelder Gemeinderäte vom 13. bis 15. Juni 1968 zu einem Besuch in Südtirol. Sie wurden mit besonderer Herzlichkeit empfangen. Dabei überraschte Anton Pernter bei den Begrüßungsreden alle Anwesenden als er nach Bürgermeister King nochmals das Wort ergriff und spontan mit dem Satz  "Ich erkläre, Neumarkt und Rheinfelden sind verschwistert." auf
die Rede von Herbert King antwortete. Dieser hatte zuvor erklärt, dass die Rheinfelder Delegation nicht nur nach Neumarkt gekommen sei, um Freunde zu sehen und neue Freundschaften zu schließen, sondern, um als Brüder von Brüdern zu scheiden.

Verschwisterung mit Händedruck

Somit wurde die Verschwisterung am Abend des 14. Juni 1968 mit dem Händedruck der beiden Bürgermeister in Anwesenheit der Neumarkter Rats-mitglieder und der Rheinfelder Stadträte besiegelt, ohne jegliche Formalitäten. Nach seiner Rückkehr nach Rheinfelden (Baden) veranlasste Herbert King auf Wunsch seines Neumarkter Amtskollegen die Ausfertigung der Verschwisterungsurkunden.

Historische Aufnahme: Unterzeichnung der Verschwisterungsurkunde durch Anton Pernter (links) und Herbert King (rechts) am 14. Sept. 1968.  
© Stadtarchiv Rheinfelden (Baden)

Historische Aufnahme: Unterzeichnung der Verschwisterungsurkunde durch Anton Pernter (links) und Herbert King (rechts) am 14. Sept. 1968.  

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