Radioaktiver Störfall 

Ein radioaktiver Störfall ist ein Unfall an einer kerntechnischen Anlage, bei dem durch einen technischen Defekt, menschliches Versagen oder eine Naturkatastrophe radioaktive Stoffe wie zum Beispiel radioaktives Jod freigesetzt werden. 

Grundsätzlich unterliegen Planung, Bau und Betrieb kerntechnischer Anlagen strengsten Sicherheitsvorschriften. Sollte dennoch ein Störfall mit radioaktiver Strahlung auftreten, ist zum Schutz der Bevölkerung schnelles Handeln erforderlich.  

Eine wichtige Maßnahme im Katastrophenschutz ist dabei die Verteilung von Jodtabletten an die Bevölkerung. Bei rechtzeitiger Einnahme verhindern die Tabletten eine Einlagerung von radioaktivem Jod in der Schilddrüse. In Städten und Gemeinden rund um Kernkraftwerke sind daher Jodtabletten zur Prophylaxe eingelagert.

Rheinfelden (Baden) liegt in der Außenzone (bis zu 100 Kilometer Entfernung) von zwei aktiven Kernkraftwerken in der Schweiz, Beznau und Leibstadt, sowie einem stillgelegten Kernkraftwerk in Frankreich, Fessenheim im Elsass.

Wird radioaktives Jod eingeatmet oder gelangt es über Nahrung oder Getränke in den Körper, kann es sich in der Schilddrüse anreichern und eine spätere Entwicklung von Schilddrüsenkrebs fördern.

Die Einnahme von nicht-radioaktivem Jod in Form von hochdosierten Jodtabletten (auch: "Kaliumjodidtabletten") zum richtigen Zeitpunkt kann daher verhindern, dass sich radioaktives Jod in der Schilddrüse anreichert.

Die Schilddrüse wird mithilfe der Tabletten mit nicht-radioaktivem Jod gesättigt, so dass radioaktives Jod von der Schilddrüse zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr aufgenommen werden kann. Man spricht dabei von einer Jodblockade.

Achtung: Jodtabletten sollten nur nach ausdrücklicher Aufforderung durch die Katastrophenschutzbehörden eingenommen werden und nur in der genannten Dosis.

Die durch die Stadtverwaltung ausgegebenen Tabletten enthalten 65 Miligramm Kaliumjodid pro Stück (entspricht 50 Miligramm Jodid). Die Jodtabletten sollten möglichst nicht auf nüchternen Magen eingenommen werden. Sie können geschluckt oder in Flüssigkeit aufgelöst werden.

Dosierung

Menge

Säugling bis zum ersten Lebensjahr

1/4 Tablette

Kleinkind vom ersten bis zum 36. Monat

1/2 Tablette

Kinder von drei bis zwölf Jahre

1 Tablette

Personen von 13 bis 45 Jahre

2 Tabletten

Weitere wichtige Hinweise:

  • Schwangere und Stillende erhalten die gleiche Joddosis wie Erwachsene (zwei Tabletten).
  • Erwachsene über 45 Jahren sollten keine Jodtabletten einnehmen, da bei ihnen das Gesundheitsrisiko für schwerwiegende Schilddrüsenerkrankungen (zum Beispiel durch Jod ausgelöste Schilddrüsenüberfunktion) infolge der Tabletteneinnahme höher ist als das Strahlenrisiko durch Einatmen von radioaktivem Jod.
  • Personen, bei denen eine Schilddrüsenerkrankung bekannt ist, sollten Jodtabletten erst nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt einnehmen.
  • Grundsätzlich ist die einmalige Einnahme ausreichend. Weitere Tabletten sollten nur eingenommen werden, wenn die Katastrophenschutzbehörde dies empfiehlt.

Der richtige Zeitpunkt der Einnahme von Jodtabletten wird in einem Notfall von den Katastrophenschutzbehörden über die Medien bekannt gegeben.

Dieser ist entscheidend, da nur dann die gewünschte Wirkung erreicht werden kann:

  • Werden Jodtabletten zu früh eingenommen, kann das nicht-radioaktive Jod schon wieder abgebaut sein, wenn radioaktives Jod aufgenommen wird. Der Schutz bestünde dann zu früh und wäre nicht ausreichend.
  • Werden Jodtabletten zu spät eingenommen, kann radioaktives Jod zuvor bereits von der Schilddrüse aufgenommen worden sein. Der Schutz käme dann zu spät.

Regionale Empfehlung beachten!

Ob in einer Region nach einem nuklearen Unfall dazu aufgefordert wird, Jodtabletten einzunehmen, hängt davon ab, ob radioaktives Jod mit der Luft in diese Region gelangen kann.

Entscheidende Faktoren dabei sind:

  • Wieviel radioaktives Jod freigesetzt worden ist. 
  • Wie weit der Unfallort entfernt liegt.
  • Wie die Wind- und Wetterverhältnisse sind.

Im Umkreis von Kernkraftwerken werden im Fall eines nuklearen Unfalls Jodtabletten verteilt. Wie groß der Umkreis ist, richtet sich nach der Schwere des Vorfalls. Bei einem Unfall mit erheblicher Freisetzung von radioaktivem Jod kann für Erwachsene die Einnahme von Jodtabletten bis zu einer Entfernung von 100 Kilometern und für Kinder in ganz Deutschland empfohlen werden. 

In Rheinfelden (Baden) sind hochdosierte Jodtabletten lokal gelagert und werden im Notfall in den jeweiligen Wahllokalen analog zur letzten Bundestagswahl ausgegeben: 

Ausgabeorte Kernstadt und Stadtteile:

  • Campus Rheinfelden
  • Schillerschule, Halle
  • Gertrud-Luckner-Realschule, Aula
  • Hans-Thoma-Halle
  • Goetheschule, Halle
  • Georg-Büchner-Gymnasium, Lichthof
  • Hebelhalle Nollingen

Ausgabeorte Ortsteile:

  • Sonnenrainhalle Karsau
  • Alban-Spitz-Halle Minseln
  • Dinkelberghalle Adelhausen
  • Friedolinhalle Degerfelden
  • Halle Eichsel
  • Halle Norschwaben
  • TUS Halle Herten
  • Scheffelhalle Herten

Bitte begeben Sie sich im Notfall zu Ihrem Wahllokal!

Im Ernstfall wird die Bevölkerung über Rundfunk und Fernsehen sowie über Lautsprecherdurchsagen informiert.

Hören Sie gut zu und folgen Sie den Anweisungen! Wenn Sie dazu aufgefordert werden, gehen Sie bitte zu den Ausgabestellen!

Weitere Informationen

Hinweis zum Video: In Baden-Württemberg werden die Jodtabletten nicht verteilt, sondern vor Ort an bestimmten Stellen ausgegeben.

Gerne für Sie da