Unter dem Motto „Wir sind 100 Jahre jung“ feierte die Stadt Rheinfelden (Baden) im Jahr 2022 ihr 100-jähriges Bestehen. In Zusammenarbeit mit zahlreichen Vereinen, Verbänden, Kirchen, Schulen, Kindergärten und engagierten Bürgerinnen und Bürgern wurde ein abwechslungsreiches Veranstaltungsprogramm auf die Beine gestellt - ganz nach dem Motto "wir feiern gemeinsam".
Die einzelnen Meilensteine der Stadtgeschichte wurden in verschiedensten Vorträgen und Ausstellungen sowie insbesondere in den Chroniken des Vereins Haus Salmegg lebendig präsentiert und lebhaft diskutiert. Im Jubiläumsprogramm gab es einige neue Formate, gleichzeitig wurde aber auch an die besonderen kulturellen Highlights der Stadt angeknüpft. Die Projektleitung der Jubiläumsfeierlichkeiten lag beim städtischen Kulturamt.
Insgesamt fanden 165 Veranstaltungen – getragen von mehr als 60 Akteuren – statt. Highlights waren unter anderem ein Bürgerempfang – wegen der Corona-Pandemie noch mit Masken, Abstand und abgepacktem Essen (1. April), das Frühjahrskonzert mit Kevin Pabst und den drei jungen Tenören (3. April), ein großes Kita-Fest im Tutti Kiesi (14. Mai), die Festwoche vom 3. bis 12. Juni auf Schloss Beugen mit vielfältigen Veranstaltungen und viel Musik, die Lange Tafel in der Innenstadt (17. Juli), der Festakt mit den Städtepartnern rund um das Trottoirfest Ende August, das Konzert mit Sol Gabetta (25. September) sowie zum Abschluss der Jubiläumsball im Bürgersaal (19. November).
Als Geburtstagsgeschenk der Schweizer Schwesterstadt und des Vereins Haus Salmegg erhielt die Stadt die Skulptur Hope von der Künstlerin Simone Fezer. Diese außergewöhnliche Skulptur, die auf gelungene Art und Weise Glas und Stahl kunstvoll verbindet, steht nun im Salmegg-Park direkt am Rhein. Laut der Künstlerin symbolisiert die Skulptur durch ihre verschiedenen Stelen die Vielfalt der Stadt.
Zur Erinnerung an das 100-jährige Jubiläum schenkte der Förderverein 100 Jahre Stadtjubiläum Rheinfelden e.V. der Stadt einen „Gugelhupf“ aus Bronze. Das Kunstwerk des Künstlers Tobias Eder, das als Sieger aus einem nichtoffenen grenzüberschreitenden Kunstwettbewerb hervorging, thront wie eine Gallionsfigur auf einem Tablett mit der Zahl 100 in der ersten Nische zum Haus Salmegg auf der Rheinbrücke. Das Motiv spielt auf den im Dreiland beliebten Kuchen an und stellt so die Assoziation zum gemeinsamen Feiern und Teilen her.
Weitere Geschenke erhielt die Stadt unter anderem aus den Nachbarkommunen Schopfheim und Schwörstadt, aus den Partnerstädten Neumarkt / Egna, Fécamp und Mouscron sowie von Unternehmen und Schulen.
Bei der Durchführung des Jubiläumsprogramms standen der Stadt insbesondere der eigens gegründete Förderverein 100 Jahre Stadtjubiläum Rheinfelden e.V. sowie die Rheinfelder Bürgerstiftung zur Seite.
Der Förderverein, der im Mai 2021 gegründet wurde und insgesamt 30 Mitglieder zählte, sammelte insgesamt rund 100.000 Euro Spenden, mit denen einzelne Projekte initiiert und unterstützt wurden wie zum Beispiel die Lange Tafel in der Innenstadt, das Gala-Konzert mit Sol Gabetta sowie der Jubiläumsball.
Die Bürgerstiftung unterstützte mit 10.000 Euro, gestiftet von der Sparkasse Lörrach-Rheinfelden, sogenannte Bürgerprojekte, die den Zusammenhalt in der Stadt förderten.
Anlässlich des Jubiläums wurden 100 Bäume an verschiedenen Standorten im öffentlichen Raum gepflanzt. Die Baumpatenschaften wurden von Anwohner:innen, Vereinen, Schulen, Organisationen und Gruppierungen übernommen. Die ersten beiden Bäume wurden beim Spielplatz Schwedenstraße gepflanzt, den Schlusspunkt setzte eine Pflanzung auf dem Eichsler Friedhof.
Veranstalter: Netzwerk Ehrenamt und Quartier der engagierten Stadt und Rheinfelden im Wandel e.V.
Nollingen mit seinen Quellen und vielen Brunnen auf verschiedenen Spaziergängen (neu) zu entdecken, dazu lädt ein „Entdecker-Set“ mit vier Tourenvorschlägen, einer begleitenden Informationsbroschüre sowie einem Memory Spiel ein. Damit wird der Fokus auf eine topografisch bedingte Besonderheit der Muttergemeinde Rheinfeldens gerichtet.
Veranstalter: Stadtteilbeirat Nollingen
Ein Fest für Kinder mit über 1.000 Besucher:innen: Unter dem Motto „Früher-heute-morgen, hier feiern die Kinder unserer Stadt!“ feierten am 14. Mai Kinder und Erwachsene bei strahlendem Sonnenschein ein gelungenes Familienfest im Tutti-Kiesi-Areal. Eine Projektgruppe mit Vertreter:innen des Familienzentrums, der städtischen, evangelischen und katholischen Kitas, des Gesamtelternbeirats sowie 14 weiterer Organisationen hatten ein Programm auf die Beine gestellt, das Kinderaugen zum Strahlen bringt. Unvergesslich bleibt das Eröffnungslied von Rolf Zuckowski „Wir sind Kinder, der Stoff aus dem die Zukunft ist“, das die Kinder der 22 Rheinfelder Kitas mit viel Hingabe sangen.
Veranstalter: Familienzentrum Rheinfelden e.V. in Kooperation mit dem Amt für Familie, Jugend und Senioren
Der Kindernachmittag unter dem Motto „Kids 100“ im herrlichen Ambiente von Schloss Beuggen fand eine große Resonanz bei Groß und Klein. Das ganz auf die Zielgruppe ausgerichtete Programm reichte von Führungen durch die Schlossanlage, über spielerische und sportliche Angebote bis hin zur Puppenbühne der Freiburger Polizei.
Veranstalter: Ortsverwaltung Karsau und Karsauer Vereinsring
Unter dem Motto „100 Jahre Leben – man ist nie zu alt für Wind in den Haaren“ beteiligte sich das Familienzentrum Rheinfelden mit zahlreichen Rikscha-Ausfahrten für hochbetagte Seniorinnen und Senioren am 100-jährigen Jubiläum der Stadt. Eingeladen waren alle Seniorinnen und Senioren in Rheinfelden, die 2022 ihren 100. Geburtstag feiern konnten, wobei auch Gäste, die erst in einigen Jahren diesen besonderen Geburtstag feiern werden, herzlich willkommen waren.
Veranstalter: Familienzentrum Rheinfelden e.V.
Unterstützt von der Bürgerstiftung waren Seniorinnen und Senioren zum Erzählcafé eingeladen. Fünfmal wurde diese Veranstaltung durchgeführt, organisiert vom Besuchsdienstkreis der Paulusgemeinde. Bei den Treffen wurde die 100-jährige Geschichte durch verschiedene Beiträge lebendig. So zeigte Louis Hulin historische alte Fotos der Stadt und ihrer Entstehung. Eberhard Niethammer referierte über „Die 100-Jahre-Stadt“ und Paul Schmidle über „alte Kunst in Rheinfelden“. Das Finkenweg-Ensemble und die Pianistin Mechthilde Näckel-Meier machten mit ihrer Musik deutlich, dass man auch im Alter noch mit der Stadt verbunden sein kann und präsentierten somit das „alte Rheinfelden“.
Veranstalter: Ev. Paulusgemeinde Rheinfelden
Das Fest der Kulturen, das sich auf dem Außengelände der VHS abspielte, erwies sich als wertvoller Beitrag für das Zusammenleben in Vielfalt in unserer Stadt. Über 130 Bürger:innen aus vielen der 110 in Rheinfelden vertretenen Nationen fanden sich ein. Alle bedienten sich am reichhaltigen Buffet mit kulinarischen Köstlichkeiten aus vielen Ländern, zu dem die Anwesenden selbst beigetragen hatten.
Veranstalter: VHS Rheinfelden
In einer breit angelegten Umfrage sammelten die Initiatoren 100 Rezepte mit leckeren Gerichten aus 70 Nationen. Daraus ist ein Kochbuch mit Rezepten von Kochbegeisterten entstanden, das durch Gerichte aus aller Welt die ethnische Vielfalt in der Rheinfelder Bürgerschaft widerspiegelt.
Veranstalter: Runder Tisch mitgemischt, Kultur- und Integrationsverein Rosinka und Rhein Bildungs- und Kulturverein
Ein anlässlich des Stadtjubiläums selbst geschriebenes Theaterstück unter dem Titel „Eine Liebe in Rheinfelden“, das im Jahre 1922 spielt, befasst sich mit dem historisch belegten Arbeiterstreik in Rheinfelden und einer sich in diesem Zusammenhang ergebenden Liebschaft. Beides findet in der fiktiven Handlung des Stückes mit der Nachricht der erfolgreichen Stadterhebung ein gutes Ende. Von den beiden Aufführungen mit neun Schauspieler:innen, die jeweils an sechs Stationen im Freien stattfanden, spendeten die insgesamt rund 100 begeisterten Zuschauer einen lang anhaltenden Beifall.
Veranstalter: Theatergruppe Querfeldrhein der VHS Rheinfelden
Zwei grafisch bearbeitete Reproduktionen von alten Ansichtskarten aus dem Jahre 1920 machen ausgewählte Ansichten von damals sichtbar. Damit schlagen sie einen interessanten Bogen aus dem Jubiläumsjahr zurück in die Zeit der Stadtentstehung.
Veranstalter: Briefmarken-Sammlergruppe Rheinfelden
Die Veranstaltungsreihe beleuchtete die Entstehung und Entwicklung Rheinfeldens von ihren Anfängen bis heute - umfassend und in allen relevanten Bereichen wie beispielsweise Industrie, Politik, Umwelt, Architektur, Schulen, Sozialwesen und Vereine. Die Referentinnen und Referenten waren als Mitglieder des Arbeitskreises Geschichte im Verein Haus Salmegg bzw. als Stadtführerinnen mit der Materie bestens vertraut.
Veranstalter: Rheinfelder Stadtführerinnen, Pro Rheinfelden Stadtmarketing e.V., AK Geschichte des Vereins Haus Salmegg, Volkshochschule Rheinfelden (Baden)
Anlässlich des Stadtjubiläums hat der Verein Haus Salmegg zwei umfangreiche Bände zur Stadtgeschichte herausgebracht.
Im Bildband "Wie Rheinfelden entstand" dokumentieren historische Fotografien aus der Zeit vom Ende des 19. Jahrhunderts bis circa 1925 die Entstehung der Stadt und im Band "Innovation und Integration" werden auf gut 300 Seiten die Anfänge und die Entwicklung der Stadt von 1922 bis heute in verschiedenen Aufsätzen beleuchtet.
Unter dem Motto „Beten + Laufen für Rheinfelden“ entstanden auf Intiative einer konfessionsübergreifende Gruppe engagierter Christen aus Rheinfelden verschiedene Spazierkurse, um während des gemeinsamen Laufes für die Stadt zu beten.
Zunächst gab es eine Strecke um den Stadtkern, an der an verschiedenen Stationen Gebetsimpulse mitgenommen werden konnten. Später entstanden auch Strecken am Dinkelberg, zum Beispiel von Schloss Beuggen durch den Wald zur St. Mauritiuskapelle in Nordschwaben und über den Skulpturenweg zum Altreb.
Die Initiative ist auch über das Jubiläumsjahr hinaus weiter aktiv.
Eine Gruppe historisch interessierter Bürgerinnen und Bürger engagierte sich unter der Projektleitung von Alt-Oberbürgermeister Eberhard Niethammer und Günther Heuchemer für die Sicherung zweier Kulturdenkmale am Adelberg: Dabei ging es um die Restaurierung und den Aufbau eines historischen Brunnenrings aus dem Jahr 1866 sowie um die Verlegung des einzig erhaltenen Mauerrelikts des ehemaligen barocken Brückenkopfes an einen öffentlich wahrnehmbaren Platz.
Der historische Brunnenring aus Sandstein ist nun vor der Adelbergkirche, St. Jakobus am Adelberg, sichtbar. Er gehörte zu einem 17-Meter tiefen und durch seine Bauweise beeindruckenden Schachtbrunnen, der von dem Beuggener Gottfried Rüsch auf seinem Anwesen an einer nahe gelegenen Stelle zum neuen Standort erbaut worden war. Vor einigen Jahren war er von Bernhard Brutsche und Werner Nuss unter dichtem Bewuchs entdeckt worden.
Die Umsetzung des Mauerrelikts - es gehörte zu dem unter Oberst Bertagnoni um 1690 erbauten rechtsrheinischen Brückenkopf - musste auf Grund technischer Probleme aufgegeben werden.
Das Projekt wurde durch die städtischen Kulturförderrichtlinien unterstützt.
Die Mitarbeitenden der Stadtgärtnerei legten zum Jubiläum im Herbert-King-Park ein Jubiläumsbeet mit einer Auswahl an Heilkräutern und –pflanzen an, um einen Einblick in die lange Tradition der Naturheilpflanzenkunde zu gewähren.
In dem 100-Zahlenbeet finden sich 29 verschiedene Kräuter und Pflanzen – einige davon sind in ihrer Wirkung durchaus geläufig, während bei anderen der heilende Nutzen weitläufig wohl eher unbekannt ist. Vor Ort hilft daher eine Übersichtstafel bei der Orientierung.
Das Team der Rheinfelder Stadtführerinnen entwickelte zum Jubiläum drei digitale Stadtführungen, mit Hilfe derer jede und jeder selbst die Historie der jungen Stadt zu verschiedenen Schwerpunkten erkunden kann.
Die digitalen Stadtrundgänge können über die App Outdooractive abgerufen werden und laden mit Bildern und viel Hintergrundwissen dazu ein, Vorhandenes neu oder auch wieder zu entdecken.
Zum Jubiläumsjahr hatte die Stabsstelle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadtverwaltung eine Podcast-Reihe über Rheinfelder Straßen und ihre Namen ins Leben gerufen.
Unter dem Titel "kreuz & quer - Rheinfelder Straßen und ihre Namen" geht es dabei in zwei Staffeln mit je fünf Folgen von fünf bis zehn Minuten um die Hintergründe von Straßennamen in der Kernstadt oder in den Stadt- und Ortsteilen.
Der Podcast ist auf YouTube und YouTube Music verfügbar.
Das städtische Kulturamt entwickelte eine Stadtrallye für Kinder, bei der es darum geht, dem durch eine missglückte Zeitreise in der Vergangenheit festsitzenden Rheinfelder Stadtlöwen zu helfen.
Die Löwen-Tour ist als Flyer im Kulturamt oder der Tourist-Info erhältlich oder kann digital über die App „Outdooractive“ absolviert werden.
Das Projekt wurde von der Evonik Stiftung gefördert.