„Rote Ohren“: Holzskulpturen von Frank Faller in der Rathausgalerie

Stadtnachricht

Die Rathausgalerie zeigt derzeit die Ausstellung „Rote Ohren“ des Holzbildhauers Frank Faller. Zur Eröffnung führte der Künstler persönlich durch die Schau, stellte seine Werkgruppen vor und gab Einblicke in Materialien und Arbeitsweise. Bereits während des Aufbaus und am Tag der Vernissage zog die Ausstellung zahlreiche Besuchende an.

Werkstoff Holz

Frank Faller, der im Schwarzwald lebt und arbeitet, verbindet traditionelle Handwerkskunst mit einer zeitgenössischen Formensprache. Seine Skulpturen entstehen im direkten Dialog mit dem Werkstoff Holz. Dabei nutzt er sowohl klassische Werkzeuge als auch die Motorsäge. Teilweise verarbeitet er wiederverwertete Materialien wie Einwegpaletten, denen er eine neue künstlerische Gestalt verleiht, ebenso wie heimische Hölzer.

Charakteristisch für Fallers Arbeitsweise ist der bewusste Umgang mit dem Material: Viele Werke entstehen in kurzer Zeit. Veränderungen des Holzes, etwa Rissbildungen im Nachhinein, begreift der Künstler als Teil des künstlerischen Prozesses. So entstehen ausdrucksstarke Unikate mit markanter Präsenz.

Werkschau

Im Zentrum der Ausstellung steht die Werkreihe „Rote Ohren“. Die abstrahierten Figuren und Köpfe sind meist reduziert gestaltet und dunkel gefasst. Ein prägnantes Detail sticht hervor: leuchtend rote Ohren. Dieses Motiv verweist auf Themen wie Wahrnehmung, Kommunikation und Reizüberflutung und eröffnet zugleich unterschiedliche Deutungen – von Aufmerksamkeit bis hin zu Scham oder Verlegenheit.

Ergänzt wird die Ausstellung durch weitere Werkgruppen. Dazu zählen Reliefs mit architektonischen Motiven, reduzierte Porträts mit vielfältig bearbeiteten Oberflächen sowie Arbeiten, die sich mit zwischenmenschlichen Beziehungen auseinandersetzen. Werke wie „Gespräch“ und „Zwiespalt“ greifen diese Themen auf.

„Ich beobachte die Menschen in meiner Umgebung und in den Dörfern“, sagt Frank Faller. „Dabei ist mir aufgefallen, dass manche in den unterschiedlichsten Situationen rote Ohren bekommen. Das hat mich fasziniert.“ Besonders das Zwischenmenschliche stehe für ihn im Mittelpunkt. Wenn Betrachtende seine Werke mit realen Personen in Verbindung bringen, nehme er dies mit einem Lächeln zur Kenntnis. Entscheidend sei für ihn, dass die Arbeiten zum Nachdenken anregen.

Weitere Serien wie „Pomme sur Prisen“ – eine spielerische Hommage an den Atelierstandort nahe Schönwald – sowie Tierdarstellungen, darunter Hirschköpfe aus der Werkgruppe „Geflüster (Rotwild)“ und abstrahierte Bollenhüte verweisen auf Fallers enge Verbindung zum Schwarzwald.

Die Ausstellung „Rote Ohren“ ist noch bis zum 19. Juni in der Rathausgalerie zu sehen.