Laudatorin Rita Schwarzelühr-Sutter, parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit, hob in ihrer Rede die Besonderheit dieser Entwicklung hervor und sprach von einer „Pionierleistung, die inzwischen weit über die Grenzen Baden-Württembergs hinaus Vorbildcharakter besitzt“. Rheinfelden habe gemeinsam mit Partnern aus der Wohnungswirtschaft, der Industrie und den regionalen Energieversorgern eine Idee Realität werden lassen, die seiner Zeit weit voraus gewesen sei. Dabei sei schon früh das enorme Potential erkannt worden, das in den industriellen Wurzeln liege. „Sie haben Infrastruktur geschaffen, die heute eine wichtige Grundlage bildet, auf der wir bundesweit aufbauen können und die auch für andere Kommunen als Blaupause dienen kann“, lobte Rita Schwarzelühr-Sutter und versicherte mit Bezug auf die staatliche Förderung des Wärmenetzes, dass auch der Bund weiterhin als verlässlicher Partner an der Seite Rheinfeldens steht.
Rückblick
Über die genaue Entwicklung des am schnellsten gewachsenen Wärmenetzes im Landkreis Lörrach hatten bereits zuvor in einem Rückblick Tobias Obert, Technischer Betriebsleiter der Stadtwerke, Daniel Weiß von der Firma HBG und Betriebsleiter des Bereichs Wärmeversorgung bei den Stadtwerken, und Stefan Rumpel, Betriebsleiter der Evonik, kurz und prägnant berichtet. Anhand eines immer bunter werdenden Luftbildes zeigten sie die Ausbauschritte des Wärmenetzes, das 2015 mit einer ersten Leitung zwischen dem Bürgerheim und der Gertrud-Luckner-Realschule seinen Anfang nahm, übersichtlich auf. Damals – wie sich Tobias Obert erinnert – „ein großer Schritt“. Schnell sei dann die Idee gekommen, weitere kommunale Einrichtungen an das Netz anzuschließen und es habe parallel dazu bereits erste Gespräche mit der Firma Evonik gegeben.
Ein wichtiger Meilenstein war 2018 die Zusage einer Förderung zur Auskopplung von Abwärme durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit. Die Idee der Abwärmenutzung der Firma Evonik konnte so weiterverfolgt, das Nahwärmenetz nach und nach weiter ausgebaut und auch für Privatkunden geöffnet werden. Das Thema „wo bekommen wir Kunden her“ sei schnell der Frage „wo bekommen wir noch mehr Wärme her“ gewichen, blickt Daniel Weiß auf die überraschend schnelle Entwicklung zurück. Ein glücklicher Umstand war daher der zweite Wärmelieferant in Rheinfelden, die heutige Firma Naturenergie, die ebenfalls ein Wärmenetz begonnen hatte. Mit Unterzeichnung eines „Letters of Intent“ konnten beide Wärmenetze 2023 zu einem großen Netz verbunden werden. Die gesamte Betriebsführung liegt seitdem bei den Stadtwerken.
Ausblick
Und auch die Zukunft verspricht eine Fortsetzung der Erfolgsgeschichte. Genehmigte der Gemeinderat doch am Donnerstag den neuen Fünfjahresplan. Dieser sieht unter anderem einen Weiterbau durch die Eichbergstraße Richtung Herten, nach Osten Richtung Schildgasse und nach Norden Richtung Vogelsang sowie die Anbindung der Cesar-Stünzi-Straße, der Zähringerstraße und Kronenstraße in der Innenstadt vor.
Mit Blick auf die langfristige Entwicklung warf Daniel Weiß zudem die Vision eines im Landkreis interkommunalen und über die Grenze nach Basel reichenden Wärmeverbunds in den Raum.
Podiumsdiskussion und Rahmenprogramm
Auch in der zuvor erfolgten Podiumsdiskussion, an der neben Oberbürgermeister Klaus Eberhardt und Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter auch Evelyn Rübli, Geschäftsbereichsleiterin Wärme bei den Industriellen Werken Basel, Jörg Falkenberg, Standortleiter Evonik, Klaus Müller, Mitglied der Geschäftsleitung von Naturenergie, Markus Schwamm, Geschäftsführer der Städtischen Wohnbau, und Paul Kempf, Verbandsgeschäftsführer des Zweckverbands Breitbandausbau, teilnahmen, war dies unter anderem schon angedeutet worden. Eine intensive Vernetzung wurde dabei von allen Beteiligten als Grundvoraussetzung identifiziert.
Musikalisch umrahmt wurde der Abend, der mit einem Apéro ausklang, durch die Cellistin Anna Helena Surgik und den Pianisten Ofer Gadi Stolarov.