Ein Zeichen für den Klimaschutz

Nahwärmenetz

Die Stadt Rheinfelden (Baden) baut derzeit ihr 2015 ins Leben gerufene Nahwärmenetz massiv aus und möchte damit ein klares Zeichen für den Klimaschutz setzen. Grundstein dieser Maßnahme ist die Zusammenarbeit mit der Industrie – Stichwort „Abwärmenutzung“.

Bestehendes Netz

Das 2015 gestartete Wärmenetz "Rheinfelden Nord" entwickelte sich in den folgenden Jahren mehr als zufriedenstellend und konnte bereits im dritten Jahr schwarze Zahlen schreiben. Bis 2018 wurden zehn Gebäude an das Wärmenetz angeschlossen: Das Bürgerheim, das Hallenbad, die Realschule, der Campus, die Schiller-, Goethe- und Eichendorffschule, das private Pflegeheim „Haus am Park“, der St. Anna Kindergarten und die Gewerbeschule des Landkreises. Zudem folgte 2018 das Georg-Büchner-Gymnasium.


Film der Stadtwerke zum Ausbau des Wärmenetzes

Weiterer Ausbau

Zur Verknüpfung der Abwärmequelle bei Evonik (Abhitzekessel) mit dem bestehenden Netz wird die Trasse in der Karl-Fürstenberg-Straße nach Osten weitergeführt. 

Und auch Richtung Westen schreitet der Ausbau weiter voran und wird 2020 die Fußgängerzone erreichen: Geplant ist eine Weiterführung entlang des Rathauses zum Kirchplatz. Von dort erfolgt in drei 50-Meter-Bauabschnitten die Verlegung in der Fußgängerzone der Karl-Fürstenberg-Straße bis hin zum Oberrheinplatz und von dort in die Kapuzinerstraße. Baubeginn der ersten Maßnahme ist im Mai 2020. Im Randbereich der wandernden Baustelle bleiben links und rechts jeweils drei Meter breite Korridore weiter nutzbar.

Langfristig soll das Netz weiter nach Westen durch die Werderstraße bis hin zum Freibad geführt werden. Ebenso ist ein weitere Ausbau Richtung Norden durch die Müßmattstraße sowie nach Süden Richtung Bahnhof vorgesehen.

Karte Wärmenetz - Bestand und geplanter Ausbau
Die Karte bietet eine Übersicht über das bestehende Netz und die geplanten Erweiterungen.

Anschluss privater Gebäudeeigentümer

Hauseigentümer, die an der neu zu verlegenden Leitungsstrecke des Wärmenetzes wohnen, haben die Möglichkeit, sich im Rahmen der Bauarbeiten kostengünstig an das Nahwärmenetz und - wenn sie möchten - zusätzlich an das Glasfasernetz des Zweckverbands Breitbandausbau anschließen zu lassen. Damit es gelingt, möglichst viele Haushalte für einen Anschluss an das Nahwärmenetz zu gewinnen, wurde 2018 das Freiburger Beratungsbüro „Endura kommunal“ mit der Ausarbeitung entsprechender Quartierskonzepte (Rheinfelden Mitte I und II) beauftragt.

Zentrales Ziel beider Konzepte ist neben dem Klimaschutzaspekt, eine Sensibilisierung aller Gebäudeeigentümer für einen Anschluss an das Wärmenetz. Darüber hinaus werden auch Beratungen zu energetischen Sanierungsmaßnahmen am Gebäude und zu möglichen Modernisierungsmaßnahmen der installierten Energieversorgungssysteme angeboten.

Neben privaten Gebäudeeigentümern möchten die Stadtwerke auch Großkunden wie beispielsweise die städtische Wohnbau oder die Betreiber des Hochrheincenters als Abnehmer für das Nahwärmenetz gewinnen.

Gebäudeeigentümer, die sich für einen Nahwärme- und/ oder Glasfaseranschluss interessieren, können sich auf der Nahwärmeseite der Stadtwerke Rheinfelden (Baden) über Angebote informieren.

Industrielle Abwärme

Nachdem eine erste Potenzialanalyse gezeigt hatte, dass die industrielle Abwärme des Industriebetriebes Evonik dazu ausreichen würde, die gesamte Stadt mit Energie zu versorgen, unterzeichneten im August 2018 Oberbürgermeister Klaus Eberhardt und Vertreter der Firma Evonik eine Absichtserklärung zur Nutzung der Abwärme der Firma Evonik für den weiteren Ausbau des stadteigenen Wärmenetzes. Zentraler Punkt des Dokuments ist der Abhitzekessel des Werkes, der den Betrieb am Rhein das ganze Jahr mit Wärme versorgt.

Da Evonik alle Temperaturen unter 95 Grad Celsius nicht für seine Produktion nutzen kann und das Wärmenetz der Stadtwerke gleichzeitig auf Temperaturen zwischen 45 und 95 Grad Celsius ausgelegt ist, gestalten sich die Bedingungen für eine Zusammenarbeit ideal.

Aus dem Abhitzekessel können pro Jahr rund 12 Millionen Kilowattstunden Wärme ausgekoppelt werden, was für die Stadt auch einen großen Schritt in Sachen Klimaschutz bedeutet. 

Förderbescheid "Kommunale Klimaschutz-Modellprojekte"

Das Nahwärmenetz Rheinfelden (Baden) ist ein Meilenstein für die Nachhaltigkeit – soll doch die Abwärme der Chemieproduktionsfirma Evonik dazu genutzt werden, „die Stadt zu beheizen“. Private Öl- und Gasheizungen und der damit verbundene Verbrauch fossiler Brennstoffe werden damit überflüssig. Dies wird auch seitens des Umweltministeriums anerkannt: Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter überreichte der Stadt Rheinfelden (Baden) im August 2018 im feierlichen Rahmen einen Förderbescheid des Ministeriums im Rahmen des Förderwettbewerbs „Kommunale Klimaschutz-Modellprojekte“.

„Ökonomisch und ökologisch nachhaltiges Handeln sind kein Widerspruch, sondern bedingen einander“, äußerte sich die Staatssekretärin im Rahmen der Verleihung beim Spezialchemiekonzern Evonik. „Die Nutzung der Abwärme eines Industriestandorts zur Beheizung städtischer Einrichtungen und Wohnhäuser ist dafür ein exzellentes Beispiel“, so Schwarzelühr-Sutter. Das Kooperationsprojekt von Evonik und den Stadtwerken wird im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative (NKI) mit Mitteln in Höhe von rund einer Million Euro gefördert.